Vareler fahr’n Fahrrad!
In den kommenden Ausgaben des Friesländer Boten möchten wir Ihnen unter dem Motto „Vareler fahr´n Fahrrad“ einige Vareler Persönlichkeiten vorstellen, die prominent sind, eine besondere Beziehung zum Rad fahren haben oder beides. Darüber hinaus kommen auch Radler zu Wort, die das Rad im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit benutzen oder auch solche, die sich in Alltag und Freizeit auf dem Rad bewegen. Die Interviews sollen bis zum 2. Vareler Fahrradnachmittag am 25. April 2004 regelmäßig jede Woche erscheinen. Sie sollen einerseits darauf aufmerksam machen wie viele unterschiedliche Radler es in Varel gibt und was sie bewegt auf´s Rad zu steigen und zum anderen dazu ermuntern die angestoßenen Zusammenarbeit zwischen der AGENDA-Gruppe „Verkehr und Mobilität“ und des örtlichen ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) in Sachen Radverkehrsförderung in der Stadt Varel kritisch zu begleiten. Frank Glanert, Organisator des 1. Vareler Fahrradnachmittags hat die Interviews durchgeführt - das erste dieser Art mit dem Bürgermeister der Stadt Varel, Wolfgang Busch.
Herr Busch seit ihrem wievielten Lebensjahr fahren Sie Rad?
Ich würde behaupten seit dem 4. Lebensjahr. Ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Fahrrad erinnern. Das holten meine Eltern mit mir zusammen in Langendamm bei der Tankstelle Eilers/Brüntje. Ich bekam Holzklötze auf die Pedalen, weil ein Fahrrad damals ja auf Zuwachs gekauft wurde. Das werde ich nie vergessen. Und von da ab bin ich also immer Fahrrad gefahren.
Das ist eine lange Zeit...
Ich bin 1943 geboren – das muss also gleich nach dem Krieg gewesen sein, 1947 ungefähr. Dass ich zu der Zeit überhaupt schon ein Fahrrad bekommen konnte, auch weil ich schon größere Geschwister hatte, dass war schon etwas Tolles. Wie gesagt, mit den Holzklötzen auf den Pedalen, weil man den Sattel nicht weiter runter bekam. Und die Schwierigkeit war, daran kann ich mich auch noch erinnern: Ich konnte anfangs schlecht absteigen. Früher brachten meine Eltern Bohnen zum Trocknen auf den Ziegeleidachboden in Borgstede. Durch Winkelsheide - da bin ich groß geworden - führte die Bundesstraße nach Wilhelmshaven. Auf dem Rückweg hörte meine Mutter an der Kreuzung ein herannahendes Auto und rief mir zu, ich solle absteigen. Ich tat jedoch das Gegenteil, gab Gas und bin einfach über die Straße gefahren. Ich bin auch heil angekommen, aber hinterher bekam ich von meiner Mutter ein paar an die Ohren. Das sind so Erlebnisse, die man auch jetzt nach über 50 Jahren noch weiß.
Wann ziehen sie das Rad anderen Verkehrsmitteln vor?
In der Freizeit, auch als Ausgleich um mich abzureagieren. Ich benutze das Fahrrad ebenfalls, um längere Fahrten zurückzulegen und um einen Ausgleich zum Alltagsstress zu finden. Ich habe früher viel Sport betrieben, war dadurch aber auch an bestimmte Zeiten gebunden, die ich mir heute nicht mehr leisten kann. Und aus dem Grunde nutze ich das Fahrrad, um einfach raus zu kommen, Natur zu haben und auch abschalten zu können.
Nutzen Sie das Rad auch im Alltag z.B. für den Weg zur Arbeit?
In den Sommermonaten soweit es irgendwie geht. Aber das hängt mit der Terminnot zusammen, dass das nicht immer so hinhaut. Ich hatte eigentlich das Ziel, dieses verstärkt zu machen. Ich fahre oft und gerne Rad, aber es lässt sich nicht immer vereinbaren.
Wohin fahren Sie am liebsten mit dem Rad? Gibt es so etwas wie ein Traumziel, wo sie gerne mal mit dem Rad fahren würden?
Wir haben – meine Frau und ich sind beide fahrradbegeistert – ein Nahziel. Das ist der Raum um Hitzacker, weil wir die Natur gerne mögen und dort ein Domizil gefunden haben, welches wir innerhalb von zweieinhalb Stunden mit dem Pkw erreichen. Dort haben wir sehr viel Abwechslung – die Herausforderung der Elbhöhen, die Göhrde, die wunderschöne Natur Mecklenburg-Vorpommerns. Wir haben aber auch schon Fahrten in der Gegend um Ratzeburg und Plön unternommen.
Wenn es die Zeit zuläßt, wäre eine Fahrradtour quer durch Deutschland sehr schön; ohne jetzt genau ein Ziel sagen zu können, aber einfach mal die ganze Landschaft zu durchfahren, wobei man die Route noch festlegen müsste...
Wenn Sie soviel unterwegs sind – was haben sie da für ein Rad?
Ich besitze im Moment ein Rad von der Fahrradmanufaktur. Ein Tourenrad, sicherlich mit 7-Gang, aber eben ein Tourenrad. Das von meinen Söhnen überlassene Rennrad nutze ich leider zu selten.
Was könnte man ihrer Meinung nach tun, um Varel noch fahrradfreundlicher zu machen?
Ich glaube wir sind auf dem richtigen Wege, indem wir viele Fahrradstrecken, für Gäste aber auch für Einheimische, anbieten. Wir müssen uns bemühen, das vorhandene Wegenetz an der einen oder anderen Stelle noch fahrradfreundlicher auszubauen. Das heißt also auch das Fahrrad fahren sicherer zu gestalten. Auf der anderen Seite denke ich, leben wir in einer wunderschönen Natur und Landschaft und haben hier die Chance, das Rad in erster Linie als Fortbewegungsmittel zu nutzen. Die Zeit sollte man sich eigentlich nehmen.