Vareler fahr´n Fahrrad!
Interview mit Peter Tischer aus Borgstede, Ratsherr der Stadt Varel.
Herr Tischer fahren Sie viel Fahrrad?
Ja, zwischen vier- und fünftausend Kilometer im Jahr. Ich habe an meinen beiden Fahrrädern Tachos und weil mich das interessiert, notiere ich mir am Jahresanfang den Kilometerstand, um zu sehen, wieviel ich im Jahr durchschnittlich fahre.
Für welche Wege nutzen Sie das Rad?
Im Nahbereiche eigentlich für alle Strecken: Das beginnt mit dem Brötchen holen in Büppel und endet mit der Teilnahme an Ratssitzungen. Ich versuche alle Termine, die sich kommunalpolitisch ergeben, mit dem Rad zu erledigen. Natürlich nicht für die Kreistagstätigkeit, das wäre mir zu weit!
Wann nutzen Sie das Fahrrad nicht?
Das Fahrrad nutze ich nicht, wenn ich merke, dass ich in Stresssituationen komme. Bei zu großer zeitlicher Enge also, wenn ich Gefahr laufe verschwitzt anzukommen. Oder bei extremen Witterungsbedingungen.
Was verbinden Sie persönlich mit dem Rad fahren?
Mit dem Rad fahren verbinde ich in erster Linie frische Luft, Gesundheit und Wohlbefinden – ich fühle mich einfach wohl wenn ich Rad fahre.
Gibt es ein bestimmtes Ereignis, das sie mit dem Rad fahren positiv oder negativ verbinden?
In meiner Lehrzeit wurden bei der EWE noch monatlich Zähler abgelesen. Damals fiel in einem Außenbezirk in Neuenburgerfeld ein Ableser durch Krankheit aus. Die Auszubildenden wurden gefragt, ob sie wohl einspringen könnten. Das habe ich natürlich gerne gemacht, weil das eine abwechslungsreiche Tätigkeit war. In Tarbarg ist mir die Pedale gebrochen und das ist natürlich am Ende der Welt. Da habe ich mir bei einem Bauern Hanfband geliehen und wir haben die andere Pedale am Fuß angebunden. So bin ich dann nach Hause gefahren. Das war schon recht spaßig, weil man auch mit der einen Pedale recht gut fahren konnte.
Negative Erlebnisse hatte ich eigentliche keine - Ich finde es in diesem Zusammenhang immer interessant, wenn die Leute mich ansprechen, die wissen, dass ich viel fahre. Kollegen sagten beispielsweise zu mir: „Sie werden doch sicherlich jeden zweiten Tag bis auf die Knochen durchgeregnet.“ Solche extremen Wettersituationen gibt es im Jahr dreimal. Der Autofahrer sieht immer den Radfahrer, der nass bis auf die Haut wird. Meistens ist das Wetter aber besser als der Autofahrer denkt.
War das damals üblich, dass das Fahrrad für Dienstfahrten genutzt wurde? Oder galt das nur für Auszubildende?
Sehen Sie, das war 1956. Damals hatten die Lehrlinge sowieso kein Auto – und außerdem hat da keiner drüber nachgedacht. Heute denkt man ja in der Hinsicht viel komplizierter.
Was haben Sie für ein Rad und wie sieht ihr Traumrad aus?
Im Moment, bei schlechtem Wetter, fahre ich ein Gazelle-Rad. Ein normales Tourenrad. Im Sommer, wenn ich die meisten Kilometer fahre, nehme mein Koga-Miyata. Das hat eine Rahmenfederung, die man aber auch ausstellen kann. Ich liebäugle im Moment mit einem Wanderer-Fahrrad mit einer Rohloff-Schaltung. Ich würde mir aber auch gerne mal ein Pedersen-Rad kaufen.
Empfinden Sie Varel als fahrradfreundlich?
Ich meine das Varel fahrradfreundlicher geworden ist. Aber es gibt für mich auch einige Punkte, bei denen ich mir Änderungen wünschen würde. Gar nicht so sehr im innerstädtischen Bereich. Ich bin beispielsweise froh, dass man diese Situation in Langendamm mit der Druckampel nach langer Zeit erledigt hat. Ich finde aber für den normalen Radfahrer, der Sonntags nach Dangast fährt, die Querung der Straße in der Höhe der Dangaster Schule unglücklich. Auch dort wäre eine Druckampel angebracht. Außerdem sollte man die Radfahrer auch nicht zwingen auf dem Rückweg auf die „falsche Seite“ zu wechseln.
Ich würde mir wünschen, dass wir einige Lücken schließen. Zum Beispiel sollte der Radweg entlang der Landesstraße L818 von der B 437 zum Ortsanfang Obenstrohe gebaut werden. Den halte ich in sofern für wichtig: Wir müssen in Hinblick auf die Nutzung der Rades mutiger sein. Wenn Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren wollen, sollte man das unterstützen. Wenn sie die Grundschule verlassen haben, können die Kinder doch hervorragend mit dem Rad fahren. Im Freizeitbereich tun sie das ja auch. Und dafür müssen wir insofern die Voraussetzungen schaffen, dass die Schulwege vom Radwegeangebot sicherer sind.
Ansonsten kommt man in Varel mit dem Rad überall hin und man sollte meines Erachtens auch keine Extremforderungen stellen. Für den touristischen Bereich ist die Fahrradfreundlichkeit aber ein wichtiger Faktor. Und Einrichtungen wie die Schutzhütten finde ich da eine tolle Sache.
Wo und wann fahren Sie am liebsten hin?
Ich bin kein Freund von Mittagsschlaf. Sonntags nachmittags mache ich dann lieber eine Rundtour von Borgstede über den Wasserzugsweg und die Oelstraße nach Schweiburg und dann entlang des Jadebusen über Dangast zurück. Das sind so 30 - 35 Kilometer. Der Reiz liegt aber auch darin, den Aktionsradius auszudehnen und den Fahrradträger am Auto zu nutzen. Meine Traumstrecke im Frühjahr verläuft dann entlang des Ems-Jade-Kanals. Ich fahre aber auch gerne mal über Garnholt nach Bad Zwischenahn.