Vareler fahr´n Fahrrad!
Diesmal sprachen wir mit Klaus Ratermann, Zusteller bei der Post und darum täglich beruflich mit dem Rad unterwegs.
Herr Ratermann, es sind nur noch wenige Postboten mit dem Rad unterwegs, würden Sie auch lieber mit dem Auto fahren?
Nein, lieber nicht. In der Zustellung hat das Auto zumindest in dicht besiedelten Bereichen nur Nachteile.
Warum fahren Sie lieber mit dem Rad?
Ich bin bei kurzen Abschnitten schneller unterwegs. Das Fahrrad ist kleiner und verursacht keine Parkplatzprobleme. Ich kann mich stressfreier in den fließenden Verkehr einordnen, mache mir keine Gedanken um Abgase und ich bin an der frischen Luft. Die häufige Ein- und Aussteigerei entfällt und schont so meinen Rücken.
Privat gesehen sind da natürlich noch andere Vorteile des Fahrrads. Es verursacht im Vergleich zum Auto z.B. keine laufenden Kosten. Man zahlt zumindest keine Steuern und Versicherung und der Wertverlust ist auch relativ gering. Für den Wertverlust eines neuen Mittelklassewagens pro Jahr bekomme ich ja schon mehrere sehr gute neue Fahrräder. An meinem Fahrrad kann ich die meisten Schäden selber reparieren und Spritkosten hat ein Fahrrad auch nicht. Außerdem ist Fahrrad fahren zwar langsamer, aber dafür auch beschaulicher. Wer halb so schnell fährt, sieht dafür auch doppelt so viel von seiner Umgebung. Und wenn ich Bekannte in der Innenstadt treffe, kann ich mit dem Fahrrad sofort anhalten und einen kleinen Klönschnack halten. Das machen Sie mal mit dem Auto.
Fühlen sie sich fitter?
Ja, auf jeden Fall! Das merke ich besonders nach dem Urlaub, wenn ich mein Dienstrad lange nicht benutzt habe. Dann sind die ersten Tage schon anstrengender. Außerdem hebt die Bewegung an der frischen Luft die Stimmung. Und ich werde wohl trotz des „norddeutschen Wetters“ nicht so häufig krank wie andere.
Wie lange fahren Sie schon beruflich Rad?
Seit fünfzehn Jahren, mit einem Jahr Unterbrechung.
Wie viele Kilometer fahren Sie beruflich im Jahr?
Da muss ich eben überlegen: Zweihundert mal vierzehn, das sind 2.800 Kilometer pro Jahr.
Wie viele Stunden sind Sie pro Tag mit dem Rad unterwegs?
Das ist abhängig von der Saison und dem Wochentag und liegt so zwischen vier und sieben Stunden.
Sie fahren auch privat Rad...
Ich muss da zugeben, dass ich im Laufe der Zeit immer bequemer geworden bin. Besonders nachdem ich mir aus bestimmten privaten Gründen doch ein altes Auto zugelegt habe. Gerade bei schlechtem Wetter ist da ein Auto vor der Tür schon sehr verführerisch. Wenn es aber irgendwie geht, versuche ich innerhalb der Ortsgrenzen von Varel mit dem Rad zu fahren.
Und wo fahren Sie dann am liebsten hin?
Ist doch klar: nach Dangast!
Na, da ist es ja gut, dass Dangast innerhalb der Ortsgrenzen liegt. Was würden Sie als Profi sagen: Ist Varel fahrradfreundlich?
Es wird fahrradfreundlicher. Zum Beispiel nach der Korrektur des Belages der Obernstraße oder den neuen Fahrradwegen in der Umgebung. Wenn ich da aber mal den Blick in die Niederlande werfe, kann ich Varel nicht mehr als direkt fahrradfreundlich einstufen.
Was stört Sie am meisten?
Da gibt es einiges. Zum Beispiel ärgert es mich, dass zu viele Absenkungen der Bürgersteige für Radwege entweder mit einer fiesen Kante versehen sind, dass es mir die Felge verbiegt. Oder aber der Übergang ist sanft, wirkt dann aber teilweise wie eine Schanze, dass es mich aus dem Sattel wirft, wenn ich etwas zügiger fahre.
Außerdem wäre da noch die Einbahnstraße Neue Straße – Neumühlenstraße – Obernstraße. Wenn ich dort per Rad erlaubterweise gegen die Fahrtrichtung unterwegs bin, sehe ich fast jedes mal entweder in wütende oder erschrockene Autofahrergesichter. In beiden Fällen muss ich aber meist ganz anhalten oder notfalls auf den Bürgersteig ausweichen, weil wohl keiner mit Gegenverkehr gerechnet hat. Das liegt wohl an den wirklich klein ausgefallenen Verkehrsschildern, die auf den Gegenverkehr hinweisen. Und da wären noch die Fahrradständer in der Innenstadt zu erwähnen. Es sind zu wenige, teilweise seit einiger Zeit verbogen, bzw. von der Konstruktion her derart unglücklich, das sie mir schon ein Vorderrad verbogen haben.