Vareler fahr´n Fahrrad!
Interview mit Iko Chmielewski, Ratsherr der Stadt Varel.
Herr Chmielewski, fahren Sie viel Rad?
Ich denke ich bin ein durchschnittlicher Fahrradfahrer. Ich fahre nicht außergewöhnlich viel, aber ich nutze das Rad dann und wann für alltägliche Dinge, um Freunde zu besuchen und ich unternehme auch schon mal eine Radtour...
Was verbinden Sie persönlich mit dem Fahrrad?
Natürlich verbinde ich mit dem Fahrrad zunächst einmal Mobilität schlechthin. Mit dem Fahrrad ist man mobil und das zu sehr geringen Kosten. Genau genommen kommt man ausschließlich mit der eigenen Körperenergie aus. Und natürlich bedeutet das Fahrrad auch eine gewisse Freizeitgestaltung mit Spaßfaktor. Und damit meine ich nicht nur das reine Fortbewegungsmittel. Das Fahrrad wird bei mir für verschiedenste Aktionen auch Zweck entfremdet – als Antrieb für ein Fluggerät oder es muss als Basis für eine Seifenkiste herhalten.
Letztendlich ist es auch ein Erlebnis, wenn man aus etwas Altem was Neues, Brauchbares machen kann. Bei den meisten Menschen hat das Rad nur dann einen hohen Stellenwert, wenn es nagelneu ist. Bei mit ist das anders. Ich kann mich über ein altes, rostiges Fahrrad freuen, das ich im Müll finde und dann über Wochen oder Monate so wieder herrichte, dass man damit fahren kann. In einem Haushalt mit zwei Kindern hatte ich dazu Gelegenheit genug. Zeitweise hatte ich bis zu zwölf funktionstüchtige und eben nicht funktionstüchtige Räder in der Garage, die ich dann nach und nach fertig gemacht habe.
Auf dem Foto sieht man sie mit ihrem aktuellen „Projekt“ was hat es damit auf sich ?
Das ist genau so ein Beispiel. Das Fahrrad, das man auf dem Bild sieht, gehört meiner Frau. Das Tretlager ist ausgeschlagen. Obwohl ich mittlerweile recht findig in der Beschaffung von Ersatzteilen bin und ich weiß, wo man auf dem Schrott Teile findet oder auf Auktionen etwas bekommt. Für dieses Rad habe ich bereits mehrere Tretlager ausgebaut und ausprobiert. Bis jetzt hat noch keins gepasst...
Anderes Thema: Wie schätzen Sie persönlich die Situation des Radverkehrs in Varel ein?
Die Situation ist schon so, dass das Fahrrad hier einen hohen Stellenwert hat. Es könnte aber auch noch intensiver genutzt werden. Wenn wir beispielsweise in Dangast eine Veranstaltung machen, haben wir das Problem, dass viele Leute mit dem PKW anfahren. Das führt dann in aller Regel zu einem Verkehrschaos. Wir rufen daher bei jeder größeren Veranstaltung dazu auf, das Fahrrad zu nutzen. Dementsprechend könnte es noch eine größere Bewegung hin zum Rad geben. Zumal es ja mit dem Ja-Dan(n)-Bus ein gutes Angebot gibt, nur eine Tour mit dem Rad zu fahren. Das wird sich sicher im Laufe der Jahre auch verstärkt durchsetzen. Und dann fällt mir zum Thema Fahrrad und Varel ein, dass wir zwar eine relativ geringe Kriminalitätsrate in der Stadt haben – den größte Anteil daran aber Fahrraddiebstähle haben. Als ich das gehört habe, kam mir die Idee, dass man die Fundräder der Stadt nicht versteigern, sondern wenigstens zum Teil durch ehrenamtliche Arbeit reparieren, in einer auffälligen Farbe streichen und im Stadtgebiet verteilen sollte. Dann könnte jeder, der mal ein Rad braucht diese Räder nutzen. Zum einen würde man damit die Kriminalitätsrate auf einen Schlag senken, zum anderen könnte man zum Beispiel Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung anbieten. Und alles in allem wäre das doch ein gutes Aushängeschild für die Stadt Varel.
Das klingt gut. Haben Sie so etwas wie ein Traumrad?
Mein Traumrad ist das was ich zur Zeit besitze. Alleine von der Kostenseite her: das war nämlich umsonst und sollte gerade auf dem Schrott geworfen werden. Es gab wenig zu reparieren, eigentlich nur aufpumpen und ein paar Schrauben anziehen. Es ist von der Funktion und vom Design her bestechend – ein schwarzes Rennrad ohne überflüssigen Schnickschnack. Einfach auf die Funktion der Fortbewegung reduziert!