Vareler fahr´n Fahrrad!
Ein Gespräch mit Elke Eberhardt, Mutter und Studentin aus Büppel.
Wie oft und wofür benutzen sie das Rad?
Das geht schon morgens los: Franziska, acht Jahre zur Schule und Juliane, 4 Jahre in den Kindergarten bringen und Mittags wieder abholen... So geht es dann auch weiter. Wir machen eigentlich alles mit dem Fahrrad, weil mein Mann das Auto hat und viel arbeitet, gibt es fast keinen Tag, an dem ich nicht Rad fahre...
Welchen Stellenwert hat das Rad in Ihrer Familie?
Ohne geht es nicht. Als mein Fahrrad mit Anhänger gestohlen wurde, habe ich mir sofort ein Fahrrad von einer Freundin geliehen, die nicht so viel fährt. Aber sie hatte keinen Kindersitz und auch sonst war das keine Dauerlösung. Daraufhin habe ich Alfons angesprochen, den Büppeler Fahrradhändler. Weil er auch immer unsere Räder repariert war klar, dass ich auch das neue Rad dort kaufe. Und dann wurde das „Büppel-Bike“ gebaut: Alfons sagte, er hätte noch einen tollen Rahmen und ich durfte mir mein neues Fahrrad so zusammenstellen wie ich das wollte – vom Lenker bis zum Sattel. Heute gebe ich das Rad deshalb ungern her. Früher war das Gewohnheit, dass diejenigen die mal auf die Kinder aufgepasst haben, auch das Rad mit dem Kindersitz hatten. Heute mache ich das wie gesagt nur ungern...
Sie finden es auch wichtig, dass die Kinder Rad fahren...
...obwohl einem manchmal das Herz fast in die Hose rutscht, wenn man Juliane unterwegs sieht, die erst seit ein paar Monaten ohne Stützräder fährt. Aber trotzdem finde ich es wichtig, denn nur wer übt wird eventuell einmal ein Meister. Und mit dem Kindergarten in der Nähe und der Spielstraße gleich um die Ecke, geht das auch schon. Und für meine große Tochter Franziska ist das Fahrrad auch wichtig um eigenständig mobil zu sein.
Sie haben einen Kinderanhänger. Was haben sie damit für Erfahrungen gemacht?
Nur gute. Meine Kinder sind bei Regen und Kälte immer gut geschützt. Auch kann man zum Beispiel spontan Freunde der Kinder vom Kindergarten mitnehmen. Die anderen Kinder finden das meist besonders toll, weil sie das mit Anhänger sonst nicht kennen. Wenn ich mehrere Kinder habe, die nicht Rad fahren können, käme ich ohne den Hänger ja gar nicht weiter weg. Vorne auf dem Rad wollte ich nie ein Kind mitnehmen, das war mir zu unsicher. Und als die Kinder noch kleiner waren konnte man die Babyschale im Hänger festmachen und damit losfahren. Ansonsten bliebe nur der Kinderwagen...
Ersetzt der Hänger den Zweitwagen?
Ja, auf alle Fälle. Ich glaube mir wäre schon manches mal die Decke auf den Kopf gefallen, wenn ich keinen gehabt hätte. Mit dem Kinderwagen allein tut man sich das nicht an, groß irgendwo hinzugehen. Dann würde ich hier mit drei Kindern festsitzen. Und mit Hänger sind wir dann doch schon längere Strecken gefahren. Wenn ich Lust hatte jemanden zu besuchen, konnte ich so überall hin. Notfalls hatte ich zwei Kinder im Hänger und eins auf den Kindersitz. Dann musste ich zwar alleine treten, aber keinem der Kinder eine lange Fahrt zumuten. Oft sitzt Finn hinten im Hänger und liest seine PIXI-Bücher. Er macht es sich dann richtig gemütlich und auch längere Strecken sind dann überhaupt kein Problem...
Empfinden Sie Varel als fahrradfreundlich?
Ich freue mich, dass in der Oberen Obernstraße die Hubbelstrecke weg ist. Das war schon schlimm, auch gerade mit Kindersitz. Ansonsten würde ich grundsätzlich sagen – Mittelmaß. Als Schulnote würde ich vielleicht eine „Zweiminus“ geben.
Was finden Sie verbesserungswürdig?
Ich denke, mal unabhängig von bautechnischen Belangen, sind die Leute zu wenig auf Radfahrer eingestellt. Selbst in der Spielstraße kann man die Kinder kaum fahren lassen, weil dort die Kurven so scharf genommen werden. Dabei sollten die Kinder es da üben und lernen können. Viele achten nicht auf Radfahrer als „gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer“. Ein anderes Beispiel: Wenn wir nach Streek fahren, dann fahre ich schon fast in der Mitte der Straße neben dem Kind – ich nehme also quasi den Platz eines Autos ein, damit kein Autofahrer auf die Idee kommt uns bei Gegenverkehr auf der schmalen Straße zu überholen – das passiert sonst tatsächlich.
Wo würden sie am liebsten einmal Rad fahren?
Wir sind jetzt im Sauerland gewesen, mit Fahrradanhänger, Fahrrädern usw. Wir sind dort kaum vom Hof gefahren, da habe ich gesagt: Hier fahre ich nicht! Ständig bergauf und bergab. Ich finde das hier zu Hause ganz toll - ich fahre gerne in Urlaub, aber ich muss dann nicht das Fahrrad mitnehmen. Ich bin froh, dass ich hier in Norddeutschland lebe und Fahrrad fahren kann, wo es schön flach ist. Und schön kühl, denn das ist auch perfekt zum Fahrrad fahren!