Vareler fahr´n Fahrrad! Roy Fieder (li.) und Carsten Lorke (re.)
Ein Interview mit Herrn Lorke von der Vareler Polizei der auch per Rad auf Streife unterwegs ist.
Wo und wann ist die Vareler Polizei mit dem Rad unterwegs?
Immer dann wenn personell dazu die Möglichkeit ist. Es ist folgendermaßen: Wir haben einen festen Kollegenkreis, der sich zum Fahrrad fahren gemeldet hat – insgesamt acht Leute. Die stehen aber nicht immer zur Verfügung, da auch in Hinblick auf das große Einzugsgebiet, zunächst die Funkwagen besetzt werden. Die Fahrradstreife kommt zwar bei dem Bürger gut an, aber mit dem Rad bin ich nie so schnell an Ort und Stelle wie mit den Auto. Also werden zuerst die PKW besetzt und wenn dann noch Kapazitäten zur Verfügung stehen, machen sich zwei Fahrradstreifen auf den Weg.
Oder wir können wie beim Fahrradnachmittag lange im Voraus planen und machen dann am Wochenende auch schon mal Überstunden.
Mit dem Rad ist die Vareler Polizei im Stadtgebiet Varel und in Dangast unterwegs. Insbesondere dort soll in Zukunft verstärkt das Rad zum Einsatz kommen – neben der mobilen Wache, die wir dort im Sommer in einem VW-Bus im Einsatz haben...
Sie sagen die Fahrradstreife kommt beim Bürger gut an. Was ist überhaupt der Hintergrund der Fahrradstreife? Von früher kennt man das, dass Polizisten auch zu Fuß oder sogar beritten unterwegs sind. Aber mit dem Fahrrad, dass ist doch eher eine neumodische Erscheinung?
Für uns war das primäre Ziel mehr Bürgernähe zu schaffen. Und wir haben festgestellt, dass das mit dem Fahrrad sehr gut möglich ist. Gegenüber der Fußstreife hat das Rad den Vorteil, dass man doch noch mobiler ist. Ich kann damit sogar die Fußgängerzone abdecken – da wird das Rad dann geschoben – aber ich kann mich bei Bedarf auch schnell bewegen. Wichtig ist aber, dass man als Polizist auf dem Fahrrad ansprechbar ist. Im Streifenwagen sind die Fenster hochgekurbelt und man ist so schnell vorbei, dass keine Möglichkeit besteht uns anzusprechen. Wir haben es immer wieder, wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, erlebt, dass es durchweg positive Kommentare gibt.
Haben Sie für den Fahrraddienst spezielle Ausrüstungsteile? Man sieht es auf dem Bild: Sie haben einheitliche Kleidung, wie sieht das mit den Rädern aus, werden die auch zur Verfügung gestellt?
Die Fahrräder sind handelsüblich. Das eine Rad ist vom Präventionsrat gestiftet worden, das andere aus Landesmitteln finanziert. Die Räder haben wir nach unseren Anforderungen zusammengestellt, ausgesucht und beim Fahrradhändler hier um die Ecke beschafft. Da sind die Wege auch kurz, falls mal Reparaturen erforderlich sein sollten.
Die Ausrüstung und Kleidung wird als Standard vom Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt.
Wie viele Kilometer sind sie dienstlich mit dem Rad pro Jahr unterwegs?
Das lässt sich ganz schwer sagen, weil es sehr stark variiert. Wenn wir am Nachmittag 4-5 Stunden unterwegs sind, bedeutet das ja nicht, dass wir die ganze Zeit Non-Stop fahren. Wir werden angesprochen und machen Streife im Innenstadtbereich. Fahren auch schon mal nach Dangast. So kommen dann leicht 30-40 Kilometer zusammen. Aber die Häufigkeit hängt wie dargestellt davon ab, ob die Leute zur Verfügung stehen. Auch bei uns beginnt bald wieder die Urlaubszeit und oft hängt es dann schon vom persönlichen Engagement des Einzelnen ab, sich zum Beispiel durch Überstunden doch mit dem Fahrrad sehen zu lassen.
Ich werde auch privat angesprochen, wann wir denn wieder mit der Fahrradstreife unterwegs sind und dann versuche ich die Lage immer zu erklären. Mit dem Fahrrad kann ich eben nicht auf die Autobahn, schnell nach Zetel oder einen mutmaßlichen Ladendieb abholen.
Wie schätzen Sie die Situation des Radverkehrs in Varel ein? Als Polizist und speziell auch als Streifenpolizist auf dem Fahrrad, haben Sie doch eine besondere Sicht auf die Situation des Radverkehrs und das Zusammenspiel der Verkehrsarten – sowohl was die Verkehrsführung, als auch das Verhalten insbesondere der Radler angeht?
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Radfahrer nicht mehr Verkehrsverstöße begehen als andere Verkehrsteilnehmer auch. Wenn man mal davon absieht, dass der eine oder andere zu faul ist sein Licht einzuschalten. Zur Verkehrssituation: Das Netz der Radwege ist in Varel schon recht gut ausgebaut. Darüber hinaus räumt man den Radfahrer hier in Varel ja sogar die Möglichkeit ein, Einbahnstraßen in Gegenrichtung zu benutzen. Das ist nicht in allen Städten so. Das wird auch häufig zwiespältig gesehen, aber ich habe in der Hinsicht persönlich noch keine negativen Erfahrungen gemacht.
Wo fahren sie Privat am liebsten Rad und wo würden Sie gerne mal Rad fahren?
Wenn ich privat fahre, bin ich auch mit dem Rennrad unterwegs. Aufgrund der höheren Geschwindigkeit dann aber auf der Straße und nicht auf dem Radweg, weil dass aus meiner Sicht zu gefährlich ist. In der Hinsicht habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn ich gemütlich Rad fahre, dann am liebsten in Deichnähe – auf dem Deichsicherungsweg und mit dem freien Blick über die Landschaft auf der Grodenchaussee.
Gerne fahren würde ich da, wo es ein bisschen hügeliger ist. Darum freue ich mich auch schon besonders auf die Hamburger Cyclassics, ein Radrennen mit 14.000 Teilnehmern, an dem ich in diesem Jahr mit meinem Kollegen teilnehmen werde. Da geht dann auch raus aus Hamburg – in die Harburger Berge. Und vielleicht schaffe ich es ja sogar mal in Süddeutschland Rad zu fahren, wo es richtig auf und ab geht.