Vareler fahr´n Fahrrad!
Ein Interview mit Bernd Bureck, Geschäftsführer der Wirtschaftförderung und Stadtmarketing Varel GmbH.
Herr Bureck fahren Sie viel Fahrrad?
Ich könnte mehr fahren. Früher habe ich in Varel fast ausschließlich das Fahrrad genutzt. Auch während meiner Studienzeit und den anfänglichen Berufsjahren in Kiel war für mich das Fahrrad das Fortbewegungsmittel. Ich bin dann aber auf´s Land gezogen, in die Holsteinische Schweiz, wo ich die letzten 15 Jahre, bevor ich mit meiner Familie nach Varel zurückgekehrt bin, gelebt habe. Da sind die Entfernungen einfach zu groß. Und so bin ich zum Autofahrer geworden und habe das Rad nur noch ab und zu in der Freizeit genutzt. Und darum freue ich mich, dass ich seit einem Jahr wieder hier bin und das Fahrrad nicht mehr in der Ecke steht. Aber es könnte wie gesagt mehr sein.
Für welche Wege nutzen Sie das Rad heute schon?
Wir fahren von Jethausen nach Büppel, am Wochenende Richtung Jaderberg oder Mühlenteich oder auch in die Stadt, meistens Wochenendtouren am Sonntag. Und die Kinder fahren hier besonders gerne Rad und da fahre ich dann auch schon mal mit. Mein Sohn fährt mit dem Rad zur Schule. Für ihn ist das Fahrrad hier eigentlich erst richtig zum Verkehrsmittel geworden. Eine sehr schöne Fahrt, die wir als Familie unternommen haben, war im Winter. Da sind wir zum Weihnachtsmarkt zum Vareler Hafen gefahren. Wir sind länger geblieben als eigentlich geplant war, und bei Vollmond wieder zurück gefahren. Die Straße war hell ausgeleuchtet. Es war sehr kalt, aber auch sehr eindrucksvoll. So etwas kann man mit dem Auto nicht erleben.
Empfinden Sie Varel als fahrradfreundlich?
Auf jeden Fall hat Varel alle Ansätze fahrradfreundlich sein zu können. Und, wenn man so wie ich nach einigen Jahren zurückkommt, fällt einem schon auf, dass in Varel sehr viele Leute Rad fahren. Für mich gehört zum Bild von Varel aus diesem Grund das Fahrrad dazu. Es könnte aber noch fahrradfreundlicher werden. Und es würde sich bestimmt auch lohnen im Sinne der Radler z.B. in entsprechende Infrastruktur zu investieren.
Was könnte man Ihrer Meinung nach tun um mehr Vareler auf´s Fahrrad zu bekommen?
Eine Sache die ich mir vorstellen könnte, obwohl ich es noch nicht selber ausprobiert habe, ist der Ja-Dan(n) Bus. Bestimmt könnte man auch Vareler Radler für die Nutzung in der Freizeit gewinnen. Zum Beispiel könnte man die Haltepunkte ausdehnen und die Fahrpläne noch flexibler und transparenter machen. Der Bus mit dem speziellen Anhänger ist ja schließlich schon da und insofern eine gute Voraussetzung auch für Radfahrer. Ohnehin sollte man meiner Meinung nach das vorhandene Nutzen und im Sinne des Kunden, also in diesem Fall des Radfahrers ausbauen.
Ein gutes Beispiel ist natürlich auch der Fahrradtag. Auch und gerade in Verbindung mit der Autoschau. Hier kann man sich informieren ohne künstliche Schranken aufzubauen. Denn letztendlich denke ich, muss das Radfahren für den Einzelnen genauso bequem und sicher wie das Auto fahren sein. So kann sich jeder individuell entscheiden. Hierfür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. So müssen zum Beispiel am Ziel vernünftige Unterstellmöglichkeiten vorhanden sein und so weiter. Und dann kommt es natürlich auf die Unterstützung von außen an. Nehmen Sie nur das Beispiel Niederlande: Weil alle Rad fahren ist auch die Förderung der Belange der Radfahrer kein Thema.
Verschiedene Landkreise in Weser-Ems haben unter Beweis gestellt das Fahrradtourismus ein nachhaltiger Wirtschaftsfaktor ist. Wie beurteilen Sie die Chancen für Varel in dieser Hinsicht?
Radfahrer sind heute keine armen Leute. Nicht nur in Räder und Zubehör wird investiert – Fahrradtouristen geben sogar im Schnitt pro Tag mehr Geld aus als andere Urlauber. Unser Workshop zum Thema Tourismus in Dangast hat vor kurzem die Zielrichtung aufgezeigt: Varel und die Umgebung verfügt über eine gute radtouristische Infrastruktur und bietet auch sonst gute Voraussetzungen für Radfahrer. Wir gehen grundsätzlich den Weg, die Partner aus der Region kennen zu lernen und gegenseitig von den Erfahrungen zu profitieren. Das gilt auch für den Radtourismus. Das passt insofern, dass Radfahrer „Streckentouristen“ sind, die sich in der Region bewegen. Auch hier müssen wir versuchen zunächst das was wir haben auszubauen und mit den anderen Anbietern zu vernetzen. So entsteht ein Mehrwert. Oft erreicht man dann mit kleinen Schritten mehr als mit der großen Vision.
Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Jeder Radler verfügt heute über ein Handy. Mit einer zentralen Service-Nummer könnte er z.B. die nächste Unterkunft, Einkehrmöglichkeit oder Fahrradeinzelhändler erfragen, wenn er z.B. Hilfe oder ein Ersatzteil benötigt.
Wo fahren Sie am liebsten Fahrrad?
Zur Zeit fahren wir am liebsten in die Wesermarsch. Da hat man auf vielen Abschnitten die Straße für sich alleine und es liegt direkt vor der Haustür. Man ist gleich raus aus der Stadt und hat die freie Landschaft. Außerdem merkt man gerade da, dass die Bevölkerung sich auf Radfahrer eingestellt hat und sich entsprechend rücksichtsvoll ihnen gegenüber verhält.