Vareler Radgeschichten

Motorrad soll von der Küche ins künftige Museum umziehen

Leidenschaftlicher Sammler plant ein “Fahrradmuseum Varel”

Bitte um Mithilfe

Vareler fahr´n Fahrrad - Erinnern Sie sich noch an die Serie im Friebo, bei der vergangenes Jahr Vareler Radler im Interview zu Wort kamen? Die eine oder andere Anekdote war genauso dabei wie manche witzige Begebenheit. In diesem Jahr stehen diese Geschichten rund um´s Fahrrad und Radfahren im Vordergrund. Denn rund um die Radfahrerstadt Varel gibt es Einiges zu erzählen.

Lesen Sie heute die Geschichte des kleinen Fahrradmuseums in Varel, das Peter Zielasko und seine Frau Petra irgendwann eröffnen möchten. Alle Geschichten finden Sie auch im Internet unter www.vareler-fahrn-fahrrad.de

„Dreißig Zentimeter schwarzer Ventilgummischlauch? Kein Problem...“ sagt Peter Zielasko und öffnet eine der zahlreichen Schubladen im Schrank hinter dem Tresen in seinem „Fahrradladen“. Er legt den Schlauch auf den Verkaufstisch und sein Freund kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ventilgummischlauch braucht heute kein Mensch mehr. Der Fahrradladen von Peter Zielasko hat aber auch noch nie einen echten Kunden gesehen, eher Besucher – und auch davon noch nicht viele. Der Laden gehört zu einem kleinen Fahrradmuseum in der Nähe der Vareler Innenstadt. Wann es eröffnet wird ist noch offen. „Aber das ist das Ziel. Ein eigenes kleines Fahrradmuseum. Mit Werkstatt und Ladengeschäft, sowie historischen Rädern, Motorrädern und viel Zubehör.“

Peter Zielasko ist Sammler aus Leidenschaft – und Perfektionist. Und darum sind nicht nur die Schubläden und Schränke mit Original-Ersatzteilen bestückt – und wie das Beispiel zeigt gut sortiert, auch das alte schwarze Telefon ist angeschlossen und das Radio läuft. Seit mehr als zwanzig Jahren sammelt der Enthusiast alles Historische rund um´s Fahrrad und Motorrad. Warum? Ja, warum sammelt man Dinge? Bei Peter Zielasko war zumindest das Ziel bald klar. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich Fahrradmechaniker werde und jeden Abend mit schwarzen Fingernägeln nach Hause komme.“ So wird er also Optiker und ist seit vielen Jahren in Varel bei Optiker Busch beschäftigt. „Jetzt hole ich das nach.“ sagt er dann und deutet auf die halbfertige historische Fahrradwerkstatt, die einmal zum Museum gehören soll und in der einige Werkstattauflösungen aufgegangen sind. Auch hier ist alles Werkzeug original. Die Werkbank stammt beispielsweise aus der ehemaligen Schlosserei Rompa aus Zetel.

Das Haus in dem das kleine Museum im ersten Stock untergebracht ist, haben Peter Zielasko und seine Frau Petra erst vor eineinhalb Jahren gekauft. Auch die Entscheidung für das sehr große Haus basiert auf dem gemeinsamen Wunsch irgendwann alles ausstellen zu können. Und das sie Platz brauchen ist klar. Mit einem Motorrad in der Küche und zwei Fahrrädern im Wohnzimmer – so wie im alten Haus - soll es nicht weiter gehen. Peter und Petra Zielasko sind ein eingeschworenes Team. Seit der Sanierung und dem Einzug sind beide in jeder freien Minute damit beschäftigt weiter zu sammeln, einzuräumen und aufzubauen. Demnächst soll wieder das erste Fahrrad auf den Haken in der neuen Werkstatt im Erdgeschoss genommen werden, um es fachmännisch aufzuarbeiten. In den letzten beiden Jahren blieb für so etwas keine Zeit.

Aber für das Museum wurde auch seit 1988 schon einiges aufgearbeitet. Seither restauriert der zukünftige Museumsbetreiber alte Zweiräder. „Angefangen hat alles schon viel früher,“ erinnert sich Peter Zielasko „Ende der Sechziger Jahre mit meinem ersten Motorrad. In der Schule wurde ich von Mitschülern und Lehrern nur Schrotti genannt.“ Heute stehen alleine in der Garage ein gutes Dutzend Fahrräder und Motorräder teilweise im Originallack. Ein Phänomen-Schwingrad von 1939 ist auch dabei. Die Hinterbaufederung war damals noch nicht auskonstruiert und der Krieg verhinderte die Weiterentwicklung. „Aber vieles, was uns heute als absolute Neuheit präsentiert wird ist zu 90% ein alter Hut.“ Peter Zielasko weiß, dass viele technische Innovationen wie Kardanantrieb, Federungen oder auch Fahrradbeleuchtung mit Standlichtfunktion schon Anfang des letzten Jahrhunderts patentiert wurden.

Das Museum selbst zeigt vom Tretroller der eigenen Mutter über alte Militärräder und Zubehör, Plakate und Werbeschilder, alles - bis hin zu Originalbeständen aus historischen Fahrradproduktionen. Die Sammlung zur Marke Urania umfasst fast einen ganzen Raum. Dazu gehören einmalige Originalstücke, Entwürfe, Lackiermuster, Fotos von Prototypen und sehr viele originale Steuerkopfschilder. Darunter sind sogar Konstruktionszeichnungen und die alten Geschäftsunterlagen, in denen auch die rasende Inflation Anfang der 1920´er Jahre anhand von immer neuen Preislisten dokumentiert werden kann.

Besonderes Interesse widmet Peter Zielasko der Vareler Fahrradhistorie. Über den Fahrradhilfsmotor „Flink“ der Vareler Motorenwerke, der in der Zeit von 1950 bis ca. 1954 in den heutigen Airbus-Werken gefertigt wurde, hat der Sammler so viel Wissen zusammen getragen, dass er ein Buch veröffentlichen könnte. Und auch die Geschichte des Fahrradgroßhandels und –manufaktur Dietrich Müller Varel (DMV) regt ihn zum Forschen an. Mit mehreren Marken wie Censor, Cyrus oder Hydra war das Unternehmen mit Sitz in der Neuen Straße (heute WEZ) mutmaßlich seit 1891 aktiv und fertigte und vertrieb noch bis ca. 1965 Fahrräder. „Wer da noch etwas weiß, oder alte Fotos hat, der sollte sich unbedingt bei mir melden“ meint Peter Zielasko und macht damit deutlich, dass seine Arbeit noch lange nicht beendet ist.

Bitte um Mithilfe

Für die Recherche rund um die Vareler Fahrradhistorie kann das kleine Museum Hilfe gebrauchen. Gesucht werden Fotos, Infos, Prospekte von Vareler Fahrradgeschäften und aus der Umgebung, um zu dokumentieren welche Händler wann und wo in Varel waren. Und auch Fahrräder werden gesucht. Zum Beispiel ein Difi-Rad oder Informationen zum Radfahrerverein „Jadestrand“ Varel 1894. Vielleicht weiß noch jemand etwas über den Fahrradgroßhandel Dietr. Müller, die Firma Wagenknecht oder die Produktion des Flink-Motors in den Vareler Motorenwerken. Das Stöbern und Sammeln lohnt sich, denn Peter Zielasko bereitet die Informationen für sein einmaliges Projekt „Fahrradmuseum Varel“ auf. Auch Leihgaben zum Kopieren oder Abfotografieren können hilfreich sein.

 

 

Peter + Petra Zielasko
Homepage

www.vareler-fahrn-fahrrad.de

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