Vareler Radgeschichten

”Man hat jeden Tag ein Ziel vor Augen”

Erfolgsgeschichte für Merlin, Michael und Johann - mit dem Rad von Portugal nach Deutschland

Erinnern Sie sich noch an die Serie im Friebo, bei der vergangenes Jahr Vareler Radler im Interview zu Wort kamen? Die eine oder andere Anekdote war genauso dabei wie manche witzige Begebenheit. In diesem Jahr stehen diese Geschichten rund um´s Fahrrad und Radfahren im Vordergrund. Denn rund um die Radfahrerstadt Varel gibt es Einiges zu erzählen.

Eine Geschichte dieser Art ist die von Johann Dugge, Merlin Etzold und Michael Ahlers, drei Schülern des Jaderberger Gymnasiums, die im vergangenen Jahr mit dem Rad von Portugal nach Deutschland gefahren sind.

Rund 3.000 Kilometer in drei Wochen mit dem Rad von Faro nach Varel, bzw. Oldenburg – das sind die Vorgaben, die Johann, Merlin und Michi fürMerlin, Michael und Johann Ihre Radtour haben. Gleich nach den mündlichen Abitur-Prüfungen soll es los gehen und pünktlich zur Entlassung wollen Sie wieder zurück sein. „Gleich“ heißt bei dieser konsequenten Haltung: Montag Prüfung, Dienstag packen und Mittwoch mit dem Flieger von Hamburg ins portugiesische Faro.

Schon während der Vorbereitung läuft nicht alles rund – die eigens für den Flug besorgten Kartons wurden schon als Müll entsorgt und am Flughafen in Faro, bereits in Radlermontur, lässt sich Merlins Hinterrad nicht aufpumpen. So wird es bereits bei der ersten geplanten Etappe am Mittwochnachmittag spät. Aber nachdem der Hotelier davon überzeugt wurde, dass man auch für kleines Geld auf der Wiese hinter dem Haus zelten kann, sinken die drei erschöpft aber glücklich in die Schlafsäcke.

In den kommenden Tagen zeigen sich die unterschiedlichen Voraussetzungen mit denen das Trio an den Start gegangen ist. Die ersten Steigungen verlangen den Jungs Einiges ab. Und während Johann bereits Erfahrungen mit langen Touren hat, sind die anderen eher „Gelegenheitsradler“. „Für die fünfhundert Meter zur Bushaltestelle hat es immer gereicht“ lacht Michael und meint damit sowohl den Ansporn mit dem Rad zu fahren, als auch die Qualität des Gefährts. Für diese Tour, die eigentlich einer fixen Idee entsprang, wurden die Räder aber entsprechend ausgestattet. Trotzdem wartet auf der am Computer vorgeplanten Strecke noch manche schmerzhafte Erfahrung und manche Panne – Felgen- und Sattelstützenbrüche genauso wie eine “aufgewickelte” Schaltung.

Für das alles entschädigt aber von Beginn an eine herrliche Landschaft und die Bekanntschaft mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Teilweise mit Händen und Füßen diskutieren die drei Schüler mit den Einheimischen nicht nur Schlafplatz und Konditionen. Mit über hundert Kilometern am Tag und der festen Zeitvorgabe von drei Wochen im Kopf steht oft das Weiterkommen im Vordergrund. Nach nur drei Tagen in Portugal wird es dann in Spanien oft von Tag zu Tag später und die Etappen länger. Manche Nachtfahrt ist dabei. Abenteuerlich sind nicht nur die Autobahn- und Schnellstraßenabschnitte, auch auf so manchem Anstieg ist nur wenig Platz zum Rad fahren und die Abfahrt ist rasant. Kleinere Unfälle und etliche Defekte, bei denen die drei so manchen Fahrradladen, aber auch hilfreiche Einheimische und Touristen kennen lernen, liegen hinter ihnen als sie nach ca. 1.250 km San Sebastian an der Atlantikküste kurz vor der Französischen Grenze erreichen. „Halbzeit in den Köpfen...“ erinnert sich Merlin „....wenn wir es bis hier schaffen, ist der Rest nur noch halb so wild!“ In den zehn Tagen bis dahin gab es auch so manchen Zweifel – aber auch jede Menge Spaß.

In Frankreich erwartet die Freunde zunächst eine Schotterstrecke entlang der TGV-Trasse. Zum Glück stellt sich heraus, dass nicht alle ausgewählten Straßen diesen Belag haben. Im Gegenteil: Wie schon in Spanien und Portugal pedalieren sie ansonsten auf Asphalt. Stillgelegte Bahnstrecken, umfunktioniert als Radfernweg gleiten in langen Geraden und sanften Anstiegen dahin – gerade die langen, geraden Strecken haben es den dreien angetan!

In Frankreich wird die Freundschaft nur einmal auf eine ernsthafte Probe gestellt – nämlich als Michi und Johann überlegen bei Paris in den Disney-Park zu gehen. Bei dem Gedanken daran lachen die drei: Dann wäre Merlin alleine weiter gefahren.

Von dort ausgehend führt die Route über Belgien und die Niederlande zurück nach Deutschland. Nach rund 2.900 Kilometern trennen sich die Wege in Oldenburg, wo Michael und Johann wohnen. Merlin fährt weiter nach Varel. Ein Abenteuer geht zu Ende! Und eine persönliche Erfolgsgeschichte für jeden einzelnen.

Radurlaub oder Cluburlaub ist für alle drei heute keine Frage mehr. „Mit dem Fahrrad in den Urlaub ist eigentlich ideal“ sagt Johann. Und auch Michi und Merlin pflichten ihm bei: “Man hat jeden Tag etwas vor und ein Ziel vor Augen. Dazu lernt man Land und Leute kennen.“ Nach der Radtour hat Merlin gleich einen „Entspannungsurlaub“ auf Mallorca nachgeschoben „Hätte ich bloß mein Fahrrad mitgenommen....“ ist sein Kommentar heute. Dafür ist er dann im Sommer mit dem Rad zur Verwandtschaft ins Ruhrgebiet geradelt. Johann und Michi planen für dieses Jahr eine Tour in Skandinavien. Möglichst viele Kilometer sollen es sein „...damit man den Verlauf der Tour auch auf der Weltkarte sehen kann, wie bei der Radtour von Portugal nach Hause.“

 

Johann, Merlin, Michael
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