Vareler Radgeschichten

Wenn der Vater mit dem Sohne ...- nach Holland radelt

Vareler fahr´n Fahrrad - Erinnern Sie sich noch an die Serie im Friebo, bei der vergangenes Jahr Vareler Radler im Interview zu Wort kamen? Die eine oder andere Anekdote war genauso dabei wie manche witzige Begebenheit. In diesem Jahr stehen diese Geschichten rund um´s Fahrrad und Radfahren im Vordergrund. Denn rund um die Radfahrerstadt Varel gibt es Einiges zu erzählen.

Für die heutige Geschichte ließ Frank Glanert mit seinem Sohn Joel (7) die gemeinsame Radtour nach Holland im vergangenen Sommer Revue passieren. Alle Geschichten finden Sie auch im Internet unter www.vareler-fahrn-fahrrad.deJoel Glanert in Groningen

Mitten auf dem See bleibt auf einmal der Motor des kleinen Bootes stehen. Joel schaut sich um. „Was machen wir jetzt – wir haben nicht mal Ruder mit?“ Ein prüfender Blick bringt an´s Tageslicht, was sein Papa schon geahnt hat. Das Benzin ist alle. „Ich hab’s...“ sagt Joel im gleichen Moment „...da war doch ein Kanister unter dem Sitz. Schau doch mal nach, ob da etwas drin ist!“ Und tatsächlich, der Kanister ist halb voll. Joel atmet erleichtert auf und schon geht’s weiter. Das Boot hatten sich die beiden hier am Zuidlander Meer, eine Tagesreise vor Groningen, an diesem Morgen geliehen. Dass es so aufregend wird, hatten sie nicht geahnt.

Es ist bereits der zweite Tag, den sie hier verbringen. Kropswolde am Zuidlander Meer ist eine Zwischenstation der gemeinsamen Vater - Sohn - Radtour. Nachdem klar war, dass Joels Wunsch einer mehrtägigen Radtour mit seinem Papa ins Ausland in die Tat umgesetzt werden würde, hatten sie sich schnell auf Holland geeinigt. Die Geschichte mit dem Boot war nicht das einzige kleine Abenteuer. Tags zuvor war Joel beim Schwimmen schon bis zum Oberschenkel im Schlamm des Sees versunken und stecken geblieben und musste von Papa gerettet werden. Auf dem Weg von Winschoten hierher war, gerade in dem Moment als sie einen Bahnübergang überquerten, die Schranke runter gegangen. Die gemeinsame Tour ist also alles andere als langweilig. „Und das wenige Spielzeug, das ich dabei hatte, habe ich doch gar nicht aus der Tasche geholt...“ erinnert sich Joel heute.

Los geht es wenige Tage zuvor im ostfriesischen Leer. Hier gefällt Joel am besten, dass es viel Platz für Radfahrer und wenig Autos gibt – und richtige „Fahrradstraßen“. Es ist heiß in diesem August – mittags immer um die 30°C und mehr. Zum Glück ist ihr erstes Etappenziel Weener nur einige Kilometer entfernt. Trotzdem kommen sie mit allen notwendigen Erledigungen und dem dringend erforderlichen Besuch des Schwimmbads alles in allem auf fast 25 Kilometer. Denn auch Einkaufen muss man auf einer Fahrradreise mit dem Rad!

Bereits am nächsten Tag überqueren die beiden die Grenze nach Holland. Zwischen Bunde und Nieuweschans gibt es einen kleinen Radweg und an diesem liegt die „Nachbarschaftsbrücke“, die Holland und Deutschland für Radler und Fußgänger miteinander verbindet. Besonders beeindruckend sind die ersten Kilometer in Holland entlang von Kanälen. Auf der gegenüberliegenden Seite haben sich die Anwohner Bootsstege und Terrassen ans Wasser gebaut. Kurz vor dem Tagesziel Winschoten kühlen sich Joel und sein Vater in einem tollen See ab. Übernachtet wird im Übrigen im Zelt. Auf- und abgebaut wird selbstredend gemeinsam. Und am Nachmittag, wenn es kühler wird, spielen sie immer noch ein bisschen Federball – denn die leichten Schläger haben noch einen Platz am Rad gefunden. Als sie Abends vom Pizza-Essen zum Zeltplatz zurück fahren, stehen für heute 39 Kilometer auf dem Tacho.

Obwohl sie meist um 8:00 Uhr aufstehen und um 9:00 Uhr los fahren, gab es auf dem Weg nach Kropswolde erst spät Frühstück. Papa hatte nämlich verpennt, dass Sonntag ist und die meisten Geschäfte in Holland geschlossen sind. Das Zuidlander Meer bietet viel Abwechslung und darum entschliessen sich die beiden am Abend beim Sonnenuntergang noch einen Tag länger zu bleiben. Als sie am fünften Tag ihrer Reise Richtung Groningen aufbrechen, müssen sie zunächst einen Zufluss zum See überqueren. Das geht an dieser Stelle nur mit einer handbetriebenen Fähre und weil sie so früh dran sind, müssen sie ganz alleine kurbeln. Es sind nur etwa 20 Kilometer bis zum nächsten Campingplatz, sodass am Nachmittag noch genug Zeit bleibt, die Stadt zu erkunden. In Groningen ist heute Markt und auch ansonsten viel zu sehen. Wie schon auf der Fahrt hierher treffen sie auf viele freundliche Menschen. Und natürlich gibt es hier neben McDonald´s auch Toys´R´Us, so dass es abwechslungsreich und an diesem Abend spät wird, bis sie zum Zelt zurück kehren. In der Nacht fängt es dann leider an zu regnen und da es auch am Morgen nicht aufhört, beschließen sie nicht weiter zu fahren, sondern einen Tag früher nach Hause zurück zu kehren. Als sie bei Kaffee und Kakao auf „Taxi-Mama“ warten beschließen Joel und Frank jedoch, im nächsten Jahr von hier aus ihre Tour fortzusetzen.

 

Joel
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