Vareler Radgeschichten
Kleine “Zeitreise” nach Mecklenburg-Vorpommern
Vareler fahr´n Fahrrad - Erinnern Sie sich noch an die Serie im Friebo, bei der vergangenes Jahr Vareler Radler im Interview zu Wort kamen? Die eine oder andere Anekdote war genauso dabei wie manche witzige Begebenheit. In diesem Jahr stehen diese Geschichten rund um´s Fahrrad und Radfahren im Vordergrund. Denn rund um die Radfahrerstadt Varel gibt es Einiges zu erzählen.
Heute erzählen wir die Geschichte von Otty Hundt, die in Varel aufgewachsen ist. Seit sie vor drei Jahren zurück gekehrt ist, erkundet sie die Stadt und das Umland vor allen Dingen mit dem Rad. Alle Geschichten finden Sie auch im Internet unter www.vareler-fahrn-fahrrad.de
Als Otty Hundt und Günther Stiller es sich vor der Davidswache auf der Reeperbahn gemütlich gemacht haben, kann Sie es immer noch nicht glauben. In nicht einmal zwei Tagen mit dem Rad von Varel nach Hamburg, scheint fast unmöglich, aber die beiden sind definitiv nach nur rund 160 Kilometern hier angekommen. Und dies ist erst der zweite Tag ihrer 14-tägigen Reise, die sie nach Meckelenburg-Vorpommern und zurück führen soll. Aber fangen wir am Anfang an.
Als Otty Hundt vor drei Jahren nach Varel zurück gekehrt ist, entdeckt sie ihre Leidenschaft für´s Rad fahren. Bald ist sie fast bei jeder Tour des ADFC mit dabei, die sich bis zum Herbst auf Längen bis ca. 100 Kilometern steigern. Aber eigentlich ist sie mittlerweile jeden Tag mit dem Rad unterwegs, um ihre alte Heimat zu erkunden. So kommt es, dass sie 12.000 (!) Kilometer in diesen drei Jahren auf dem Rad zurück gelegt hat. Vielleicht sieht sie auch deswegen so jung aus – denn Otty Hundt ist bereits 69 Jahre.
Bei den Radtouren lernt sie Günther Stiller vom ADFC kennen und die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Als der ihr von einer Radtour nach Mecklenburg-Vorpommern erzählt, von den Landschaften und der noch unberührten Natur, ist für Otty sofort klar: Das will ich auch erleben! Die beiden sprechen immer wieder über die Idee quasi eine „Zeitreise“ zu unternehmen, denn Günter Stiller fühlte sich bei seiner ersten Tour dorthin, wirklich in der Zeit zurück versetzt. Und nachdem er zunächst noch gebremst hatte - „stell Dir das nicht zu einfach vor“ hatte er gesagt – steigen die beiden doch in die Planungen einer gemeinsamen Radreise ein. Nach einigen „Probefahrten“ über´s Wochenende mit vollem Gepäck für vierzehn Tage und den ersten Übernachtungen im Zelt nach mehreren Jahrzehnten, ist es jetzt soweit. Im heißen August 2004 machen sich die beiden auf den Weg und erleben ein kleines Abenteuer mit ein wenig Zeitreise.
Der Weg aus Hamburg heraus ist mehr als chaotisch, aber größere und kleinere Pannen und Unglücke gehören zu jeder Radtour dazu. Schon bald nehmen sie jeden erdenklichen Untergrund unter die Räder – schmale Betonwege, Kopfsteinpflaster und auch Sand. Als sie am nächsten Tag Mecklenburg-Vorpommern erreichen, werden sie aber mit dem ersten Storch belohnt. Die Landschaft ist atemberaubend schön und als sie weiter fahren, haben sie tatsächlich das Gefühl die Zeit sei stehen geblieben. „Ich wollte mal wieder Mohn im Kornfeld sehen“ erinnert sich Otty Hundt „und dort sieht man so vieles wieder, das man nur noch aus der Kindheit kennt.“ Durch Alleen und Wälder geht es hinter Schwerin stetig auf und ab und in Waren sehen sie sogar einen Seeadler. Waren ist das Zwischenziel der Reise und hier bleiben Otty und ihr Begleiter drei Tage lang. Nicht, dass sie ein Pause bräuchten. „Wir waren abends gesund müde, aber ansonsten ging es uns prima!“ Als sie am kommenden Tag weiter fahren sparen sie eine Tagestour, denn bei kräftigem Rückenwind fahren sie mit über 35 Kilometern/Stunde an ihrem Tagesziel dem Plauer See vorbei und landen in Parchim. Von hier geht es über Hitzacker, Bad Bevensen und durch die Heide nach Schneverdingen. In Hemslingen auf dem Campingplatz beobachten sie im Dämmerlicht Fledermäuse und in dieser Nacht „...mehr Sternschnuppen als man Wünsche haben kann.“
Über Rotenburg und Worpswede geht´s zurück Richtung Heimat. Als sie die Weser überquert haben, kommen sie zum „Nullpunkt“ ihrer Tour zurück und fahren auf der gleichen Strecke nach Varel auf der sie gekommen sind. Erst kurz vor Varel verfahren sie sich – denn ansonsten hatte Günther die Radtour detailliert durchgeplant.
Nach fast vierzehn Tagen und rund 1.000 Kilometern auf dem Sattel kehren die beiden nach Varel zurück. Otty Hundt ist schon fast ein bisschen wehmütig über den dank Rückenwind eingesparten Tag. Und so wurde schon kurz vor Varel die Idee geboren auch mal mit dem Rad nach Siegen zu fahren, wo sie all´ die Jahre gewohnt hat. Ihre Freundin besuchen, die sie sowieso schon für verrückt hält...

